Johann Sebastian Bach

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BWV 211
Titel Schweigt stille, plaudert nicht (Kaffeekantate)
Komponiert 1734-1735, Leipzig
Besetzung

Sopran solo
Tenor solo
Bass solo
Traversflöte
Violine I + II
Viola
Cembalo
Basso continuo

Sätze Rezitativ (Tenor): Schweigt stille, plaudert nicht
Arie (Bass): Hat man doch mit seinen Kindern hunderttausend Hudelei
Rezitativ (Sopran, Bass): Du böses Kind, du loses Mädchen
Arie (Sopran): Ei! wie scheckt der Coffe süsse
Rezitativ (Sopran, Bass): Wenn du mir nicht den Coffe läss`t
Arie (Bass): Mädchen, die von harten Sinnen
Rezitativ (Sopran, Bass): Nun folge, was dein Vater spricht
Arie (Sopran): Heute noch, heute noch
Rezitativ (Tenor): Nun geht und sucht der alte Schlendrian
(Chor) (Sopran, Alt, Tenor, Bass): Die Katze lässt das Mausen nicht
Kategorie Weltliche Kantate
Kirchenjahr Unbekannt
Autor des Textes Christian Friedrich Henrici (Picander) 1732
Text
Rezitativ:
Tenor solo (Erzähler)
Basso continuo





Arie: Bass solo (Schlendrian)
Violine I + II
Viola
Basso continuo


Rezitativ:
Sopran solo, Bass solo
Basso continuo







Arie:
Sopran solo (Liesgen)
Traversflöte
Basso continuo




Rezitativ: Sopran solo, Bass solo
Basso continuo

















Arie:
Bass solo (Schlendrian)
Bass solo



Rezitativ: Sopran solo, Bass solo
Basso continuo









Arie: Sopran solo (Liesgen)
Violine I + II
Viola
Cembalo
Basso continuo




Rezitativ: Tenor solo (Erzähler)
Basso continuo








(Chor): Sopran solo, Tenor solo; Bass solo
Traversflöte
Violine I + II
Viola
Basso continuo


Schweigt stille, plaudert nicht
Und höret, was itzund geschicht:
Da kömmt Herr Schlendrian
Mit seiner Tochter Liesgen her,
Er brummt ja wie ein Zeidelbär;
Hört selber, was sie ihm getan!

Hat man nicht mit seinen Kindern
Hunderttausend Hudelei!
Was ich immer alle Tage
Meiner Tochter Liesgen sage,
Gehet ohne Frucht vorbei.

Bass (Schlendrian): Du böses Kind, du loses Mädchen,
Ach! wenn erlang ich meinen Zweck:
Tu mir den Coffee weg!
Sopran (Liesgen): Herr Vater, seid doch nicht so scharf!
Wenn ich des Tages nicht dreimal
Mein Schälchen Coffee trinken darf,
So werd ich ja zu meiner Qual
Wie ein verdorrtes Ziegenbrätchen.

Ei! wie schmeckt der Coffee süsse,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Coffee, Coffee muss ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Coffee ein!

Bass (Schlendrian): Wenn du mir nicht den Coffee lässt,
So sollst du auf kein Hochzeitfest,
Auch nicht spazierengehn.
Sopran (Liesgen): Ach ja!
Nur lasset mir den Coffee da!
Bass (Schlendrian): Da hab ich nun den kleinen Affen!
Ich will dir keinen Fischbeinrock nach itzger Weite schaffen.
Sopran (Liesgen): Ich kann mich leicht darzu verstehn.
Bass (Schlendrian): Du sollst nicht an das Fenster treten
Und keinen sehn vorübergehn!
Sopran (Liesgen): Auch dieses; doch seid nur gebeten
Und lasset mir den Coffee stehn!
Bass (Schlendrian): Du sollst auch nicht von meiner Hand
Ein silbern oder goldnes Band
Auf deine Haube kriegen!
Sopran (Liesgen): Ja, ja! nur lasst mir mein Vergnügen!
Bass (Schlendrian): Du loses Liesgen du,
So gibst du mir denn alles zu?

Mädchen, die von harten Sinnen,
Sind nicht leichte zu gewinnen.
Doch trifft man den rechten Ort,
O! so kömmt man glücklich fort.

Bass (Schlendrian): Nun folge, was dein Vater spricht!
Sopran (Liesgen): In allem, nur den Coffee nicht.
Bass (Schlendrian): Wohlan! so musst du dich bequemen,
Auch niemals einen Mann zu nehmen.
Sopran (Liesgen): Ach ja! Herr Vater, einen Mann!
Bass (Schlendrian): Ich schwöre, dass es nicht geschicht.
Sopran (Liesgen): Bis ich den Coffee lassen kann?
Nun! Coffee, bleib nur immer liegen!
Herr Vater, hört, ich trinke keinen nicht.
Bass (Schlendrian): So sollst du endlich einen kriegen!

Heute noch,
Lieber Vater, tut es doch!
Ach, ein Mann!
Wahrlich, dieser steht mir an!
Wenn es sich doch balde fügte,
Dass ich endlich vor Coffee,
Eh ich noch zu Bette geh,
Einen wackern Liebsten kriegte!

Nun geht und sucht der alte Schlendrian,
Wie er vor seine Tochter Liesgen
Bald einen Mann verschaffen kann;
Doch, Liesgen streuet heimlich aus:
Kein Freier komm mir in das Haus,
Er hab es mir denn selbst versprochen
Und rück es auch der Ehestiftung ein,
Dass mir erlaubet möge sein,
Den Coffee, wenn ich will, zu kochen.

Die Katze lässt das Mausen nicht,
Die Jungfern bleiben Coffeeschwestern.
Die Mutter liebt den Coffeebrauch,
Die Grossmama trank solchen auch,
Wer will nun auf die Töchter lästern!

Handschriften Nachlass C.Ph.E. Bach; Oesterreichische Nationalbibliothek, Wien

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